Die Welle – Das könnte ich sein

Ich habe letztens das Buch die Welle gelesen, und habe schließlich einen Text dazu verfasst. In diesem Text habe ich versucht, mich mit einem der Charaktere zu identifizieren, wenn auch mit ein bisschen Hilfe bei der Wahl des Charakters (von meiner Klasse u. meinem Lehrer).

Besonders Danke ich Asi und Ramona, die mich ein bisschen abgelenkt haben, wenn ich eine Pause brauchte. – Jeder braucht mal eine Pause!

Das könnte ich sein

Ich persönlich könnte mich eigentlich mit keiner Person der Geschichte identifizieren.
Diese Personen haben vielleicht einzelne Gemeinsamkeiten mit mir, haben aber sonst nicht viel Vergleichbares. Ich könnte mich mit Robert identifizieren, da ich mich ein bisschen wie ein Außenseiter fühle. Ich könnte mich mit Christy vergleichen, da ich meist eher am Rand stehe. Genauso gut könnte ich mich aber auch in Laurie wiederfinden, da ich gerne schreibe. Meiner Meinung nach haben die Charaktere in Büchern oder Filmen immer viel zu kleine Persönlichkeiten. Eine Fähigkeit der Person wird groß geredet, während andere Fähigkeiten links liegen gelassen werden. Das ist doch fast ein bisschen unfair. Wo doch immer gesagt wird, dass nur das Innere zählt und davon alles. Aber ok, ich drifte wieder mal ab.
Ich sage jetzt mal Robert. Und das nicht nur, weil so gut wie alle, die ich in der Klasse gefragt habe, mich in ihm wiedererkennen. Einfach, weil Robert genauso unauffällig und zurückgezogen ist wie ich. Eigentlich könnte Robert ja ein richtig guter Schüler sein. Es ist, denke ich, nur sein Ego, das von ihm verlangt, nicht ganz Alles zu geben. Er hat den Ruf als Außenseiter, als der, der sich in der Schule nicht bemüht, und das weiß er. Er hat sich so fest in seinem Ego eingenistet und traut sich nicht heraus. Er könnte mehr sein, als der Außenseiter, der er ist. Er könnte sich bemühen, tut es aber nicht, weil er Angst hat. Davor, was die Leute dann sagen werden. Davor, dass die Leute dann plötzlich mit ihm reden wollen und ihn persönliche Dinge fragen. Ich glaube auch, dass er nicht vor den Leuten Angst hat, sondern vor der Realität. In der Vorstellung ist alles möglich, in seiner ist er wahrscheinlich unglaublich beliebt. In der Realität wird er allerdings zum Außenseiter und Fünferkandidaten. Es macht ihm Angst zu sehen, was er sein könnte.
Ich sage nicht, dass ich finde, er hätte alles richtig gemacht, doch wäre ich anstatt seiner gewesen, hätte ich vermutlich genauso gehandelt. Ich hätte plötzlich eine neue, um vieles höhere, Position gehabt, und hätte mich genauso benommen wie Robert, da ich Angst um diese Position gehabt hätte.
Trotzdem hätte er von Anfang an wissen müssen, wie elend er sich fühlen würde, wenn er sich den anderen Schülern gegenüber so verhält. Ja, ich glaube, er hat am Ende nicht nur geweint, weil sich die Welle aufgelöst hat, sondern auch wegen des Gefühls, seinen Schulkameraden etwas Schlimmes angetan zu haben, das er nicht ertragen kann. Ich glaube, er fühlt sich ein bisschen wie David, nur schlimmer. Es ist wahrscheinlich, als würde er aus einem schönen Traum erwachen, und stünde dann der harten Realität gegenüber. Und es bereitet ihm Sorgen, dass er seine Mitschüler verletzt hätte, nur um seine Position zu retten.
Ich verstehe ihn, dennoch finde ich es im Nachhinein einfach nur traurig, wie Menschen so verbittert nach Macht streben können. Ich finde, die Szene, bei der wir erfahren, dass Robert nicht ganz so uninteressiert und unkonzentriert ist, ist die, als Mr. Ross mit seinen Schülern die richtige Haltung übt. Plötzlich hat er Interesse am Unterricht und findet etwas, in dem er gut ist. Er findet etwas, in dem er einmal nicht mit seinem Bruder verglichen wird.
Es ist zwar traurig, dass er sich erst gar nicht bemüht, aber es ist genauso schade, dass er mit seinem großen Bruder verglichen wird. Wird er mit seinem Bruder verglichen, braucht er sich erst gar nicht bemühen, da sein Bruder in so gut wie allem immer besser ist. Die Welle gibt Robert etwas, das sein Bruder nicht hat. Etwas, das ihm das Gefühl gibt, etwas wert zu sein, da in seiner Familie vermutlich immer nur sein Bruder der Musterschüler und Medizinstudent im Mittelpunkt stand. Auf Robert liegt die Aufmerksamkeit sowieso nur, wenn er einen Fleck geschrieben hat. Aber vielleicht auch nicht einmal dann.
Er wird in der Schule verspottet und hat niemanden mit dem er reden könnte, geschweige denn jemand, der sich für ihn interessieren würde. Na ja, er hätte mit Mr. Ross reden können, doch das hätte ihm vermutlich nur noch mehr Spott eingebracht, wenn es einer seiner Klassenkollegen gesehen hätte.
Eigentlich finde ich Robert nur arm, so wie er sich benimmt. Man muss doch schon eine gewaltige Aufmerksamkeitsstörung haben, wenn man um etwas wie die Welle so bitterlich weint.
Vielleicht ist er sogar ein kluger Junge – im Gegenteil – er ist sicher ein kluger Junge – aber da von ihm immer gute Noten und zahlreiche Erfolge erwartet worden sind, hatte er es irgendwann aufgegeben. Er hat sich selbst aufgegeben. Und das unterscheidet mich von Robert. Ich habe mich selbst nicht aufgegeben. Noch nicht.

Eine Antwort auf „Die Welle – Das könnte ich sein“

Schreibe einen Kommentar zu frifri Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 − 1 =